Edgar Nehlsen (TUHH) mit Pressevertretern

Ausgangslage und Problem

Im annähernd gesamten Verlauf der Este gibt es in unterschiedlichen Ausprägungen Probleme mit zeitweiligem Hochwasser und dem Eintrag von Sedimenten. Beide Phänomene sind nicht unwesentlich bedingt durch menschliche Eingriffe in das ursprüngliche Flusssystem, z.B. durch das Verdrängen von Feuchtgebieten oder durch bauliche Maßnahmen, die die Fließgeschwindigkeit des Wassers herabsetzen.

Die Frage, wie wir mit der Hochwasser- und Sedimentproblematik in Zukunft umgehen, ist bei genauer Betrachtung sehr komplex. Das Leben der Menschen im Einzugsgebiet des Flusses ist durch vielfältige Interessen und Nutzungen geprägt. Unterschiedliche Sichtweisen bestehen zum Beispiel aus dem jeweiligen Blickwinkel des Hochwasserschutzes, des Naturschutzes, der Landwirtschaft und der Ober- und Unterlieger (Betroffene Anlieger oberhalb und unterhalb von Hochwasserschutzmaßnahmen).

Im Verlauf des Forschungsprojekts KLIMZUG-NORD sind umfangreiche und jahrelange Untersuchungen durchgeführt worden und im Rahmen von sogenannten Lern- und Aktionsallianzen (LAA) wurden zahlreiche und intensive Gespräche mit wichtigen beteiligten Akteuren aus der Region geführt.

Was hat das alles mit dem Klimawandel zu tun?

Die bereits heute bestehenden Probleme des Sedimenteintrags und -transports sowie des Hochwasserschutzes werden sich zukünftig durch den Klimawandel verschärfen. Der Meeresspiegelanstieg und veränderte Abflüsse aus dem Binnenland werden Wasserstände, Strömungsverhältnisse und damit den Transport von Sedimenten beeinflussen.

Folgen für den Hochwasserschutz

Zukünftig ist zu erwarten, dass Hochwasser, die vor allem aus veränderten Niederschlagsverteilungen resultieren, häufiger und höher ausfallen werden. Für den Bereich der Este oberhalb von Buxtehude bedeutet dies, dass Talauen, die teilweise landwirtschaftlich genutzt und stellenweise sogar besiedelt sind, häufiger überflutet werden und dass sich das Gebiet, welches von Überschwemmungen bedroht ist, ausdehnen wird.

Für den tidebeeinflussten Bereich führen die häufigeren Hochwasser in Kombination mit dem steigenden Meeresspiegel ebenfalls zu einer größeren Hochwassergefahr. Bedingt durch den Meeresspiegelanstieg, der zu höheren Sturmfluten führt, müssen die Sperrwerke länger und häufiger geschlossen werden. Während einer Sperrung muss das anfallende Este-Wasser zwischengespeichert werden. Da der Stauraum seitlich durch die Deiche begrenzt ist, werden die Wasserstände höher ausfallen. Es ist zu erwarten, dass der Anstieg der Wasserstände eine Anpassung der Hochwasserschutzanlagen erforderlich machen wird oder sogar zu einem Umdenken bei der gesamten Hochwasserschutzstrategie führen wird. Denn mit steigenden Wasserständen wird es zunehmend schwerer, die bestehende Hochwasserschutzlinie zu halten und zudem die Entwässerung der tiefliegenden Flächen hinter den Deichen sicherzustellen.

Folgen für den Sedimenteintrag und –transport

Durch intensivere Niederschlagsereignisse erhöht sich im Oberlauf der Bodeneintrag ins Gewässer. Die höheren Abflüsse, sorgen dafür, dass das Material stromab transportiert wird und sich in strömungsberuhigten Bereichen ablagert. Zudem führen höhere Fließgeschwindigkeiten zur stärkeren Erosionen des Gewässerbettes. Das gelöste Material wird ebenfalls stromab transportiert und abgelagert. Es ist zu erwarten, dass insbesondere Ackerflächen fruchtbaren Boden verlieren werden und das morphologische Gleichgewicht in der Este weiter gestört wird. Stellenweise ist mit einer weiteren Eintiefung des Gewässerbettes zu rechen. In der Folge müssen strömungsberuhigte Bereich in denen sich das anfallende Material ablagert, wie z.B. Mühlenteiche häufiger ausgebaggert werden.

Im tidebeeinflussten Unterlauf ist zu erwarten, dass das veränderte Tidegeschehen zum einen dazu führt, dass mehr Sedimente aus der Elbe in die Este transportiert werden und dass die veränderten Strömungen Änderungen im Gewässerbett hervorrufen werden. Insgesamt ist damit zu rechnen, dass Teile des Unterlaufes stärker Verlanden als bisher.